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Mittwoch, 14. Oktober 2009, 19:31

In Halle leben 40 Prozent der Kinder von Sozialgeld

Halle (sc). Die Gewerkschaften Ver.di und NGG haben im Saalekreis die Altersarmut ausgemacht - es gäbe immer mehr Rentner-Jobber, die arbeiten müssten, weil ihre Rente nicht reicht.



Der Arbeitskreis Armut in der Stadt Halle, Sven Weise, hat die Kinderarmut in Halle im Blick: dem städtischen Bericht zufolge lebten 40 Prozent (!) aller Kinder von Sozialgeld. Armut überall, möchte man meinen, denn auch die Eltern der 40 Prozent armen Kinder dürften ihr Leben ja über Sozialgeld finanzieren.

Und dabei, so Sven Weise, sei die Armut nicht nur rein materiell zu sehen, sondern stehe auch im Zusammenhang mit Bildungs- und Gesunheitsarmut. „Eine Diskussion über die Höhe des Existenzminimums und der Regelsätze ist daher dringend geboten“, sagt er wörtlich. „Sorgen bereitet den Mitgliedern des Arbeitskreises, dass auch immer mehr Erwerbstätige kein Einkommen erhalten, das den notwendigen Lebensunterhalt deckt. Der Sektor niedrigster Löhne weitet sich aus und damit die Armut trotz Erwerbsarbeit. Betroffen sind am Ende der Kette Kinder und Jugendliche.“

Ähnlich sehen es auch die Gewerkschaften ver.di und Nahrung-Genuss-Gaststätten. Sie sprechen nicht nur von einer alarmierenden Entwicklung, weil sich die Zahl der Rentner mit Mini-Jobs im heutigen Salekreis um rund 28 Prozent erhöht habe. Schon 2003 verdienten in den Altkreisen Merseburg-Querfurt und Saalkreis 727 Rentner durch eine geringfüfgie Beschäftigung dazu. Vier Jahre später gab es bereits 931 Rentner-Jobber - und damit 200 „Senioren-Arbeiter“ mehr.

Die Gewerkschaften berufen sich dabei auf die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Die Forderung der Gewerkschaften ist klar: ein Gesetzlicher Mindestlohn von 7,50 Euro die Stunde muss mehr. Und der sollte dann schnell auf 9 Euro steigen. Denn nur der Mindestlohn, sagen sie, könne künftigen Rentnern ausreichende Altersbezüge sichern. Wer als Rentner arbeitet, mache das, sind sie sich sicher, in der Regel nicht aus Spaß.

Der Arbeitskreis Armut der Stadt Halle will derweil den 16. Oktober 2009 - den internationalen Tag der Armut - für einen Aktionstag auf dem Markt von 12 bis 17 Uhr nutzen. Alle seien aufgerufen, sich nicht nur zu informieren, sondern auch zu diskutieren - über Schuldnerberatung, Sozialhilfe, Sozialrechtsberatung, Arbeitslosen- und Armutsprojekte, Migrationssozialarbeit, Wohnungslosigkeit und soziale Brennpunkte.

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